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Wilhelm Meisters Lehrjahre 7

Wilhelm Meisters Lehrjahre 7
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel I
Sechstes Kapitel II
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel I
Achtes Kapitel II
Achtes Kapitel III
Neuntes Kapitel
 
 

Zweites Kapitel 

Er bot ihr die Hand an im Sinne, sie wegzuführen. "Ich werde nicht auf mein Zimmer gehen", rief sie aus, "ich hasse die Wände, zwischen denen ihr mich schon so lange gefangenhaltet! Und doch habe ich alles erfahren, der Obrist hat ihn herausgefordert, er ist hinausgeritten, seinen Gegner aufzusuchen, und vielleicht jetzt eben in diesem Augenblicke-  -  es war mir etlichemal, als hörte ich schießen.
 
Lassen Sie anspannen und fahren Sie mit mir, oder ich fülle das Haus, das ganze Dorf mit meinem Geschrei." Sie eilte unter den heftigsten Tränen nach dem Fenster, der Abbe hielt sie zurück und suchte vergebens, sie zu besänftigen. Man hörte einen Wagen fahren, sie riß das Fenster auf: "Er ist tot!" rief sie, "da bringen sie ihn."-  -  "Er steigt aus!" sagte der Abbe.
 
"Sie sehen, er lebt."-  -  "Er ist verwundet", versetzte sie heftig, "sonst käm er zu Pferde! Sie führen ihn! Er ist gefährlich verwundet!" Sie rannte zur Türe hinaus und die Treppe hinunter, der Abbe eilte ihr nach, und Wilhelm folgte ihnen; er sah, wie die Schöne ihrem heraufkommenden Geliebten begegnete.
 
Lothario lehnte sich auf seinen Begleiter, welchen Wilhelm sogleich für seinen alten Gönner Jarno erkannte, sprach dem trostlosen Frauenzimmer gar liebreich und freundlich zu, und indem er sich auch auf sie stützte, kam er die Treppe langsam herauf; er grüßte Wilhelmen und ward in sein Kabinett geführt.
 
 
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